Spreewald Tag 2: Gurken, Minifrösche und Monstermücken

Vom heutigen Tag weiß ich eigentlich nichts wirklich Nennenswertes zu berichten. Da heute Morgen das Wetter noch ziemlich durchwachsen war, beschloss ich, den heutigen Tag zum Ausruhen zu nutzen. Nach einem traumhaft tollen, sehr opulenten, mit Liebe zubereiteten Frühstück in meiner Pension ging ich zurück auf mein Zimmer, beendete den Blogbeitrag von gestern und gab gegen Mittag der mich überkommenden Müdigkeit nach. Da mir nichts wegläuft, zog ich es vor, mich tatsächlich noch für eine Weile hinzulegen. Der Schlaf tat gut und setzte neue Kräfte frei.

Abendessen im Zeichen der Gurke

Zum Spätnachmittag hin machte ich mich dennoch auf den Weg. Ursprünglich wollte ich nach Lehde fahren, landete dann aber doch wieder im Zentrum von Lübbenau. Also beschloss ich, mir nur ein ganz gemütliches Abendessen zu gönnen und im Anschluss noch einen kleinen Spaziergang durch den Spreewald zu machen. Ich kehrte im Biergarten „Zum Spreeschlösschen“ ein und genehmigte mir Festes und Flüssiges von der Gurke:

  • Gurken-Radler (absolut empfehlenswert; sehr erfrischend, nicht zu süß; und die Kombination aus Gurkensaft und Bier harmoniert erstaunlicherweise)
  • Spreewälder Gurkensuppe (klein) als Vorspeise
  • Ein in Butter gebratenes Zanderfilet mit Salzkartoffeln, dazu Gurkensalat, geschmortes Gurkengemüse und eine aus Gurken gemachte Soße – alles passte perfekt zusammen

Da hier die berühmteste Gurken-Region Deutschlands ist, wäre es eine Sünde, sich kulinarisch nicht darauf einzulassen. Überhaupt ist es mir immer ein Anliegen, mich auf regional oder kulturell andere (im Ausland) Spezialitäten einzulassen. Das, was ich schon kenne, bekomme ich zuhause. Man muss sich einfach mal darauf einlassen (wollen!). Gestern beispielsweise aß ich einen gemischten Spezialitäten-Teller, der auch drei kleine Stücke einer panierten Blutwurst enthielt.

Eigentlich mag ich keine Blutwurst, zumindest nicht diese Rotwurst oder den in Bayern berühmten roten Pressack. Diese Art der Blutwurst erinnerte jedoch ein wenig an die rheinische „Blotwosch“. Ist zwar auch nicht meine Leibspeise, doch gestern beschloss ich einfach, mich diesem Geschmack einmal hinzugeben. Und es war gar nicht mal so schlecht.

Ein Abendspaziergang durch den Spreewald

Führte mich mein Spaziergang gestern eher durch den Ort bis an die Spree, ging ich heute direkt einen kleinen Pfad durch den Wald an der Spree entlang. Das Wetter wurde nochmal wunderschön und ich genoss die warme, sommerliche Abendsonne. Ein Glück, dass ich immer mit gesenktem Blick laufe. Das tue ich schon aus Gründen der Empathie, damit ich nicht versehentlich irgendein kleines Wesen zertrete. Und ich sah ein kleines, dunkles Wesen blitzschnell über den Weg springen. Mein erster Gedanke war, dass dies kein Käfer sein könne, sondern evtl.eine kleine Springspinne sein müsse. Ich versuchte, genauer hinzublicken. Was ich dann sah, hätte ich niemals vermutet …

Ein Fröschlein kleiner als mein kleiner Fingernagel

Die vermeintliche kleine Springspinne entpuppte sich bei einem näheren Blick als ein kleines Minifröschlein, das nicht einmal so groß wie der Nagel meines kleinen Fingers war. Und es hüpfte hier nicht alleine herum. Eine ganze Froschpopulation war emsig dabei, über meinen Weg hin und her zu laufen respektive zu springen. Ich ging umso vorsichtiger, wollte ich doch keines dieser Miniwesen unter meine Schuhe bekommen, was unweigerlich dessen Ende bedeutet hätte. Zu gerne würde ich eines dieser Fröschlein fotografieren, dachte ich mir. Es gelang mir auch, eines dieser kleinen Amphibien auf die Hand zu nehmen. Allerdings war die Kamera noch nicht betriebsbereit. Der kleine Frosch harrte artig auf meiner Handfläche aus, allerdings immer mit einem Seitenblick, der mir zu verstehen geben sollte, dass er wohl nicht ewig Zeit habe, sondern heim zu Weib und Kind müsse. Ich beeilte mich, so gut ich konnte.

Dazu blieb ich natürlich stehen, nahm die Abdeckung ab, schaltete die Kamera an und wartete, bis sie soweit war. Für das Fröschlein eindeutig zu lange. So lange wollte es dann doch nicht warten und sprang mir flugs von der Handfläche und verschwand im grünen Walddickicht.  Dafür bekam ich anderweitige Gesellschaft – mehr als mir lieb war.

Spreewälder „Riesenmücken“ – schon vor Abreise als sehr berüchtigt beschrieben

Lange vor meiner Abreise warnte mich schon ein lieber Mensch eindringlich vor den „Riesenmücken“ im Spreewald, wobei sie mit ihren Händen derart ausladende Gesten machte, dass ich annehmen musste, die Spreewälder Mücken besäßen Schwalbengröße. Da ich gestern noch keinerlei Mückenbekanntschaft machen durfte, war ich heute umso neugieriger auf die angeblich überdimensionierten Monstermücken. Ja, sie sind sehr stattlich. Das muss ich zugeben. Ich vermute, dass es die berüchtigten, von irgendwo zu uns eingewanderten Tigermücken sind. Diese sind jedenfalls erheblich größer als unsere heimischen Plagegeister. Immer wieder ließen sich vereinzelte „Riesenmücken“ während meines Spaziergangs auf meinen Armen oder anderen frei zugänglichen Stellen nieder und stießen ihre gierigen Saugrüssel in mich, um sich an meinem süßen Lebenssaft zu laben. Als ich jedoch stehenblieb, um das kleine Fröschlein zu fotografieren, sah der Obermückerich seine Gelegenheit gekommen, blies zum Angriff und innerhalb weniger Sekunden fiel der gesamte Schwarm, ach was, die komplette Spreewälder Mückenpopulation, über mich her. Ich war komplett übersät mit Mücken. Nun half auch meine buddhistische Gelassenheit nichts mehr und meine Tierliebe und die Verbundenheit mit allen Wesen war dahin. Ich ging zum Gegenangriff über. Mit gezielten Wischbewegungen waren sie schnell alle weg, wobei einige ihr Leben lassen mussten. Selbstverständlich habe ich mich bei jedem Kriegsopfer persönlich entschuldigt, mich in Gedanken verneigt und ihm eine schöne Wiedergeburt gewünscht – hoffentlich nicht mehr als Mücke.

Ein paar idyllische Impressionen

Der Spaziergang hatte sich gelohnt, ebenso wie die Opfer, die ich dafür erbringen musste. Ich durfte noch ein paar sehr idyllische Impressionen mit der Kamera einsammeln. Hier könnte ich auch leben. Wer weiß, vielleicht verschlägt es mich ja mal in diese Gegend? So ruhig und abgelegen zu leben, im Einklang mit der Natur, das wäre jedenfalls genau das, wonach mein Herz sich sehnt.

Lübbenau, 21.06.2016                              Sigrun Hopfensperger