Spreewald Tag 4: Auf Pücklers Spuren im Park Branitz

Als ich in diesem Jahr im Mai die Parkomanie-Ausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn besucht hatte, die sich ganz der Gartenkunst des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau widmet, war mir klar: Sobald ich in der Gegend sein würde, besuche ich das Schloss Branitz bei Cottbus und insbesondere den wunderbaren Schlosspark.

Ein Paradies für Wald- und Naturfreunde

Ich zähle mich persönlich zu den Wald- und Naturfreunden. Zwar habe ich auch ein Faible für Gärten, jedoch halten sich meine botanischen Kenntnisse in Grenzen. Ich mag Blumen und überhaupt alle Pflanzen, ob grün oder blühend, doch wirklich alle benennen kann ich nicht. Die wenigen, die ich kenne, sind so bekannt, dass selbst ich sie kennen muss. Anders ist es da mit dem Wald. Hier komme ich eher in mein Metier. In meiner Kindheit ging mein Vater mit mir sehr viel in die Wälder. Er ging dabei nicht einfach mit mir spazieren. Er erklärte mir jeden einzelnen Baum, woran man ihn erkennt (Blattform, Rinde, Wuchs …) und was ihn so besonders macht. Meine heutige Verbundenheit mit dem Wald mag aus diesen Kindheitserinnerungen herrühren. Ich lese mit Spannung und Genuss Peter Wohlleben und liebe es, stundenlang durch Wälder zu spazieren. Im Wald fühle ich mich zuhause.

Der ganze Schlosspark ist der Natur nachempfunden. Es gibt nirgendwo direkte Sichtachsen. Glaubt man, den Park überschauen zu können, weil man auf eine freie Fläche blickt, sieht man nur einen verschwindend kleinen Teil, nichts ahnend, dass es dahinter noch viel weiter geht. So erging es mir, als ich den Park betrat. Ein kleiner Rundweg führte mich um eine freie Wiese.

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Schnell war ich um diesen kleinen Teil des Parks herum, ohne das Schloss und einen der Seen gesehen zu haben. Bevor ich diese Runde beendete, kam ich noch zu einem kleinen Haus, das einen Garten im historischen Stil mit ebenso altem Zaun zeigte. Dass dies nicht alle Höhepunkte des Parks sein konnten, dachte ich mir schon. Aber ich sah auch nicht, wo es weitergehen sollte.

Als ich wieder dort landete, von wo aus ich gestartet war, nahm ich einen kleinen Weg, der halb rechts hoch führte. Und dieser führte mich plötzlich sehr verwinkelt zum Schloss, dessen Anblick von außen mich sehr faszinierte. Leider kam ich nicht dazu, das Schloss von innen zu besichtigen, was einfach daran lag, dass ich viel zu viel Zeit im Park verbracht hatte und mich gar nicht loseisen konnte. Das ist natürlich sehr schade, zumal das zwischen 1770 und 1772 erbaute Schloss Branitz über eine wunderschöne Bibliothek verfügen soll, die ich nun versäumte, was ich sehr bedauere. Denn neben der Natur im Walde sind es vor allem Bücher, die mich anziehen. Ich könnte sowohl in einer kleinen Hütte im Wald leben, wie es Henry David Thoreau in seinem Werk „Walden“ beschrieben hatte. Andererseits würde mir auch ein Schlafsack in einer traumhaften riesigen Bibliothek genügen. Habe ich Bücher oder den Wald um mich herum, kann ich auf alles andere gut und gerne verzichten. Die Außenansicht des Schlosses war aber schon eine Augenweide, die mich tief berührte. Dazu kam noch die kleine Runde durch den Laubengang mit den Skulpturen und der großen, mit Weinlaub bedeckten Pergola in der Mitte. Ein Ort, der zum Verweilen geradezu einlädt.

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Fürst Hermann von Pückler-Muskau – ein genialer Landschaftsarchitekt

Ich werde an dieser Stelle keinen Exkurs über Fürst Pückler, sein Leben und seine Zeit verfassen. Das haben andere schon viel ausführlicher getan und besser als ich es jemals tun könnte. Deshalb werde ich hier einige Links zu Fürst Pückler angeben, unter denen alles genau nachgelesen werden kann:

Deshalb geht es hier weder um den Fürsten in seiner Zeit und in seinem politischen Umfeld, noch um ihn als Galan bei den Damen, insbesondere der afrikanischen Machbuba, nach der immer jeder zuerst fragt, der sich mit Pückler beschäftigt. Hier geht es um die naturbelassene Garten- und Landschaftsgestaltung, die er federführend mitgestaltet hatte. Jeder Baum, jeder Strauch, jeder Weg ist so angeordnet, wie es der Fürst genau geplant hatte. Keine direkten Sichtachsen, labyrinthische Anordnung, immer wieder Unterbrechungen durch künstlich angelegte Seen und Wasserläufe … das alles zaubert durch Menschenhand geschaffen ein Naturwerk, wie es die Natur selbst nicht besser hätte hervorbringen können.

Die Grabpyramide des Ehepaares Pückler

Ich war bislang immer der fälschlichen Ansicht, dass lediglich Pücklers Herz in der Pyramide im See beigesetzt worden sei. Dem ist aber nicht so, wie man in Wikipedia nachlesen kann. Da eine Kremierung zu damaligem Zeitpunkt nicht üblich war, ordnete er  an, dass sein Herz in Salzsäure aufgelöst und sein Körper in anderen Säuren eingelegt und bestattet werde. Damit löst sich der physische Leib ebenfalls in Nichts auf, ganz ohne das Zutun von Flammen.

Zum Abschluss mein persönliches Highlight – ein ganz besonderer Baum

Beim Anblick dieses Baumes blieb mein Herz vor Faszination fast stehen. Was für eine Schönheit. Edle Gestalt, hoher Wuchs und voller Blütenstand: eine üppige Edelkastanie. Es war wunderschön zu sehen,wie die Bienen sich zahlreich an den Blüten nährten und Nektar sammelten. Ganz prall gefüllt sind ihre Körbchen an den Hinterbeinchen. Es summt und brummt in den Blüten. Ein Ohrenschmaus für jeden, der die Natur liebt – und Bienen dazu.

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Und damit neigt sich mein Aufenthalt im Spreewald dem Ende zu. Es waren vier schöne Tage. Ich habe viel gesehen und noch mehr Bilder gemacht. Alle diese Eindrücke bleiben in meiner Erinnerung. Diese Erlebnisse kann uns niemand nehmen. Man kann uns materielle Dinge wegnehmen, niemals aber unsere Erlebnisse und die Erinnerungen daran. Morgen früh, kurz nach dem Frühstück, wenn ich in Ruhe gepackt habe, werde ich nach Berlin fahren. Dann erwarten mich bis Sonntag noch zwei schöne Tage in unserer Hauptstadt und Kulturmetropole. Aber darüber werde ich separat berichten.

Lübbenau, 23.06.2016                                      Sigrun Hopfensperger

Spreewald Tag 3: Eine Kahnfahrt zu den Spreewälder Highlights

Heute stand das auf dem Programm, was ich mir unbedingt schon zuhause, lange vor der Abreise, vorgenommen hatte: Eine beschauliche Kahnfahrt durch den Spreewald. Geplant hatte ich eigentlich die große Hochwald-Tour von 10 Stunden, durchgeführt wurde aber nur die große Kahntour zu den Highlights. Sie dauerte auch noch gute 5 Stunden und war wirklich sehr sehenswert.

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Beschaulichkeit und Naturidylle

Was mich heute am meisten an dieser Kahntour faszinierte, ist diese Ruhe und Beschaulichkeit. Die Spree hat hier in der Region nur eine sehr geringe Strömung. Hier wachsen viele Seerosen. Weiße Seerosen und gelbe Teichrosen säumten unseren Wasserweg. Ganz ruhig glitt unser Kahn durchs Wasser, nur die Geräusche der Natur waren zu hören (und natürlich die Gespräche an Bord). Blaue Prachtjungfern flogen zuhauf hin und her, während andere Libellenarten im Hochzeitsflug immer wieder deren Weg kreuzten.

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Viele Entenfamilien waren zu sehen, weil zur Zeit die Jungtiere mit ihren Eltern schwimmen. Apropos, die kleinen Minifröschlein, die ich gestern sah, sind keine ausgewachsenen Tiere einer Miniatur-Art, sondern ganz kleine Jungfrösche. Das war der Nachwuchs, der jetzt durch die Wälder springt, kleine Baby-Fröschlein. Gut, dass ich so achtsam war.

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Zauberhafte und sagenumwobene Auenlandschaft 

Im Reiseführer wird der Spreewald als eine urwüchsige Auenlandschaft beschrieben, bei der sich die Spree in unzählige Gräben, Kanäle und Fließe verzweigt. Natürlich verstand unser Fährmann sein Geschäft und erzählte uns auch alte sorbische Sagen. Einer Sage zufolge habe der Teufel höchstpersönlich den Spreewald in seiner heutigen Form erschaffen. Er wollte mit seinen Ochsen den Boden pflügen aber die Tiere sträubten sich. Da wurde der Teufel wütend, knallte mit der Peitsche und schmiss seinen Hut nach den Tieren. Diese hatten sich so sehr erschrocken, dass sie auseinander jagten und überall, wo sie in ihrer Panik längs liefen, tiefe Furchen in den Boden rissen. Diese füllten sich dann mit Spreewasser – fertig war der Spreewald.

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Von dieser Erle erzählt man, ein Riese habe sich den abzweigenden Stamm so zurecht gebogen, damit er sich bei Bedarf einen Bogen daraus fertigen könnte. Die Form ließe durchaus darauf schließen.

Ich habe hier noch eine kleine idyllische Zusammenstellung meiner Impressionen von der Kahnfahrt auf der Spree. Hier können Worte nicht beschreiben, was durchs Auge direkt ins Herz geht.

Kurze Rast an der Waldgaststätte Wotschofska

An der „Erleninsel“ hielten wir mit unserem Kahn für eine kurze Rast an. Im Sorbischen bedeutet „wotso“ Erle. Hierbei handelt es sich um eine sehr urigen Waldgaststätte, die wirklich idyllisch mitten im Laubwaldgebiet liegt. Hier kommen alle Kahnfahrer und Kanuten vorbei, um sich bei einem erfrischenden Getränk oder einer Gurkenbockwurst (d.i. eine mit Gurken gefüllte Bockwurst) zu stärken. Ich aß dort nichts, weil wir in Lehde noch Gelegenheit finden sollten, ausreichend zu Mittag zu essen. Da ich diese Gaststätte aber idyllisch finde, möchte ich sie hier teilen.

Ein kleiner Abstecher in Gebiete, in die man sonst nicht gelangt

Unser Fährmann versprach uns bereits vor der Abfahrt in Lübbenau, mit uns eine kleine Schleife zu fahren hinein in ein Gebiet, das noch die traditionelle Spreewälder Kulturlandschaft zeigt. Wir zweigten in einen kleinen Graben ab, der sehr schmal wurde. Hier hatte nur unser Kahn Platz. Rechts und links konnten wird die Uferpflanzen mit der Hand berühren. Wir gelangten zu bestellten Feldern mit Erbsen, Kartoffeln, Dill und anderen regionalen Anbaupflanzen. Ein Pirol sang ganz laut sein Lied. Sehen konnte ich ihn nicht, dafür aber ganz deutlich hören. Über uns zog ein Milan seine Kreise ..

Lehde – ein Ort, in dem die Zeit stehengeblieben scheint

Endlich war es soweit, wir erreichten Lehde, jenen Ort, den ich eigentlich ursprünglich bereisen wollte. Ich wollte  in einer Pension direkt am Fließ unterkommen, dann ergab es sich aber, dass ich nach Lübbenau ging. Lehde wurde von Theodor Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ ganz besonders lobend erwähnt. Er sah in dem kleinen idyllischen Dörfchen eine „Lagunenstadt im Taschenformat“. Und noch heute bewegt sich hier alles viel langsamer. Einen Teil Lehdes kann man mit dem Auto erreichen, den anderen nur über das Wasser per Kahn. Selbst die Post wird hier noch mit dem gelben Postkahn zugestellt. Auch die Feuerwehr kommt mit einem extrabreiten Löschkahn, wird sie mal zu einem Einsatz gerufen. Ich kann gar nicht verstehen, dass Lehde noch nicht zur Cittaslow ernannt wurde. Das mag daran liegen, dass Lehde keine Stadt, sondern ein Dorf ist. Aber hier ist alles entschleunigt. Ganz idyllisch liegen die Häuser rechts und links an den Fließufern. Üppige Gärten erfreuen mein Auge. Die Häuser sind sehr traditionell, vielfach aus Holz gebaut und liegen still in ihre wunderschönen Gärten eingebettet, oftmals umgeben von einem Zaun aus Blumen. In diesen Ort kann man sich nur verlieben – und so tat ich es auch. Wenn mein Herz nicht so sehr an Osnabrück, an der Region und an den Menschen dort vor Ort hängen würde, ich würde glatt nicht mehr nachhause kehren, sondern gleich hierbleiben.

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Lübbenau, 22.06.2016                                    Sigrun Hopfensperger