Spreewald Tag 3: Eine Kahnfahrt zu den Spreewälder Highlights

Heute stand das auf dem Programm, was ich mir unbedingt schon zuhause, lange vor der Abreise, vorgenommen hatte: Eine beschauliche Kahnfahrt durch den Spreewald. Geplant hatte ich eigentlich die große Hochwald-Tour von 10 Stunden, durchgeführt wurde aber nur die große Kahntour zu den Highlights. Sie dauerte auch noch gute 5 Stunden und war wirklich sehr sehenswert.

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Beschaulichkeit und Naturidylle

Was mich heute am meisten an dieser Kahntour faszinierte, ist diese Ruhe und Beschaulichkeit. Die Spree hat hier in der Region nur eine sehr geringe Strömung. Hier wachsen viele Seerosen. Weiße Seerosen und gelbe Teichrosen säumten unseren Wasserweg. Ganz ruhig glitt unser Kahn durchs Wasser, nur die Geräusche der Natur waren zu hören (und natürlich die Gespräche an Bord). Blaue Prachtjungfern flogen zuhauf hin und her, während andere Libellenarten im Hochzeitsflug immer wieder deren Weg kreuzten.

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Viele Entenfamilien waren zu sehen, weil zur Zeit die Jungtiere mit ihren Eltern schwimmen. Apropos, die kleinen Minifröschlein, die ich gestern sah, sind keine ausgewachsenen Tiere einer Miniatur-Art, sondern ganz kleine Jungfrösche. Das war der Nachwuchs, der jetzt durch die Wälder springt, kleine Baby-Fröschlein. Gut, dass ich so achtsam war.

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Zauberhafte und sagenumwobene Auenlandschaft 

Im Reiseführer wird der Spreewald als eine urwüchsige Auenlandschaft beschrieben, bei der sich die Spree in unzählige Gräben, Kanäle und Fließe verzweigt. Natürlich verstand unser Fährmann sein Geschäft und erzählte uns auch alte sorbische Sagen. Einer Sage zufolge habe der Teufel höchstpersönlich den Spreewald in seiner heutigen Form erschaffen. Er wollte mit seinen Ochsen den Boden pflügen aber die Tiere sträubten sich. Da wurde der Teufel wütend, knallte mit der Peitsche und schmiss seinen Hut nach den Tieren. Diese hatten sich so sehr erschrocken, dass sie auseinander jagten und überall, wo sie in ihrer Panik längs liefen, tiefe Furchen in den Boden rissen. Diese füllten sich dann mit Spreewasser – fertig war der Spreewald.

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Von dieser Erle erzählt man, ein Riese habe sich den abzweigenden Stamm so zurecht gebogen, damit er sich bei Bedarf einen Bogen daraus fertigen könnte. Die Form ließe durchaus darauf schließen.

Ich habe hier noch eine kleine idyllische Zusammenstellung meiner Impressionen von der Kahnfahrt auf der Spree. Hier können Worte nicht beschreiben, was durchs Auge direkt ins Herz geht.

Kurze Rast an der Waldgaststätte Wotschofska

An der „Erleninsel“ hielten wir mit unserem Kahn für eine kurze Rast an. Im Sorbischen bedeutet „wotso“ Erle. Hierbei handelt es sich um eine sehr urigen Waldgaststätte, die wirklich idyllisch mitten im Laubwaldgebiet liegt. Hier kommen alle Kahnfahrer und Kanuten vorbei, um sich bei einem erfrischenden Getränk oder einer Gurkenbockwurst (d.i. eine mit Gurken gefüllte Bockwurst) zu stärken. Ich aß dort nichts, weil wir in Lehde noch Gelegenheit finden sollten, ausreichend zu Mittag zu essen. Da ich diese Gaststätte aber idyllisch finde, möchte ich sie hier teilen.

Ein kleiner Abstecher in Gebiete, in die man sonst nicht gelangt

Unser Fährmann versprach uns bereits vor der Abfahrt in Lübbenau, mit uns eine kleine Schleife zu fahren hinein in ein Gebiet, das noch die traditionelle Spreewälder Kulturlandschaft zeigt. Wir zweigten in einen kleinen Graben ab, der sehr schmal wurde. Hier hatte nur unser Kahn Platz. Rechts und links konnten wird die Uferpflanzen mit der Hand berühren. Wir gelangten zu bestellten Feldern mit Erbsen, Kartoffeln, Dill und anderen regionalen Anbaupflanzen. Ein Pirol sang ganz laut sein Lied. Sehen konnte ich ihn nicht, dafür aber ganz deutlich hören. Über uns zog ein Milan seine Kreise ..

Lehde – ein Ort, in dem die Zeit stehengeblieben scheint

Endlich war es soweit, wir erreichten Lehde, jenen Ort, den ich eigentlich ursprünglich bereisen wollte. Ich wollte  in einer Pension direkt am Fließ unterkommen, dann ergab es sich aber, dass ich nach Lübbenau ging. Lehde wurde von Theodor Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ ganz besonders lobend erwähnt. Er sah in dem kleinen idyllischen Dörfchen eine „Lagunenstadt im Taschenformat“. Und noch heute bewegt sich hier alles viel langsamer. Einen Teil Lehdes kann man mit dem Auto erreichen, den anderen nur über das Wasser per Kahn. Selbst die Post wird hier noch mit dem gelben Postkahn zugestellt. Auch die Feuerwehr kommt mit einem extrabreiten Löschkahn, wird sie mal zu einem Einsatz gerufen. Ich kann gar nicht verstehen, dass Lehde noch nicht zur Cittaslow ernannt wurde. Das mag daran liegen, dass Lehde keine Stadt, sondern ein Dorf ist. Aber hier ist alles entschleunigt. Ganz idyllisch liegen die Häuser rechts und links an den Fließufern. Üppige Gärten erfreuen mein Auge. Die Häuser sind sehr traditionell, vielfach aus Holz gebaut und liegen still in ihre wunderschönen Gärten eingebettet, oftmals umgeben von einem Zaun aus Blumen. In diesen Ort kann man sich nur verlieben – und so tat ich es auch. Wenn mein Herz nicht so sehr an Osnabrück, an der Region und an den Menschen dort vor Ort hängen würde, ich würde glatt nicht mehr nachhause kehren, sondern gleich hierbleiben.

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Lübbenau, 22.06.2016                                    Sigrun Hopfensperger

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