Berlin Tag 6: Berlin zu Fuß

Mein heutiger letzter voller Tag in Berlin führte mich zu Fuß an diverse Punkte der Stadt. Zuerst traf ich beim Frühstücken eine ganz liebe Bekante, die hier in Berlin lebt. Da wir uns nicht allzu häufig sehen können, tat dieses Treffen sehr gut. Im Anschluss machte ich mich zu Fuß auf in Richtung Zoologischer Garten. Der Korrektheit halber muss ich dazu sagen, dass ich ein Stückchen im Auto bis zum Zoologischen Garten mitgenommen wurde. Von dort aus aber begann mein Berliner Spaziergang.

Der Zoologische Garten – ausschließlich ein Fotomotiv von außen

Den Zoologischen Garten besuchte ich nicht, lediglich von außen, um ihn mit der Kamera festzuhalten. Der Eingang ist aber auch zu schön. Ich startete von dort aus in Richtung Gedächtniskirche und ging weiter, bis ich Richtung Ku’damm gelangte.

Buntes Berliner Treiben – voller Fröhlichkeit

Immer wenn ich in Berlin weile, fällt mir auf, dass das Großstadttreiben fröhlich und ungezwungen ist. Ob es die Menschen – Große wie Kleine – sind, die bei diesen heißen Temperaturen ihre Abkühlung im Brunnen suchen, oder die politische Veranstaltung einer kurdischen Gruppe, die friedlich mit orientalischer Musik den ganzen Platz beschallt. Während diese Rhythmen in Kombination mit den sommerlichen Temperaturen tatsächlich ein südländisches Urlaubsgefühl hervorriefen, stand eine Gruppe wohnungsloser Männer beisammen, die sich mit freiem Oberkörper ebenfalls im Brunnen erfrischten. Einer von ihnen war so vom Rhythmus der Musik gefangen, dass er gleich einen orientalischen Bauchtanz hinlegte, gar nicht mal so schlecht. Er bewies jede Menge Rhythmusgefühl und sehr beweglich Hüften. Dazu sollte man wissen, dass der Bauchtanz ursprünglich ohnehin ein Männertanz war. Als ich mir das Treiben so ansah, dachte ich mir, wie friedlich vereint doch hier die verschiedenen sozialen und kulturellen Gruppen einfach zusammen Spaß haben können. So geht es also auch – wenn man nur möchte.

Das Hardrockcafe auf dem Ku’damm – Wasser, Wasser und nochmals Wasser

Bei solch drückend heißen Temperaturen gerät der körpereigene Wasserhaushalt leicht ins Defizit und muss schnellstmöglich reguliert werden. So nutzte ich die Gelegenheit auf dem Ku’damm, um mich draußen vor dem Hardrockcafe niederzulassen und eine ganze Flasche Mineralwasser zu trinken. Dies blieb heute übrigens nicht meine einzige große Flasche Wasser, ebenso wenig wie gestern. Ich saß, trank, ruhte mein angeschlagenes Knie aus und genoss es, einfach nur Menschen zu beobachten. Vor dem Hardrockcafe stand ein Mann, der irgendwelche Flyer verteilte oder verteilen musste. Unermüdlich versuchte er jedem, der ihm entgegen kam, seine Informationen in die Hand zu drücken. Bei den wenigsten gelang ihm das. Zeitgleich machte sich eine Dame von der organisierten Bettelmafia daran, von uns Gästen etwas an Kleingeld zu ergattern. Lange wurde sie nicht geduldet, weil der Kellner sie sofort verscheuchte, sobald er ihrer gewahr wurde. Ich hätte noch stundenlang hier sitzen können, wollte aber auch noch etwas weiterkommen. So brach ich auf.

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Wachsfiguren und Shopping-Lust

Auf dem Ku’damm kam ich natürlich an hübschen Lädchen vorbei, bei denen ich mir die Shopping-Lust verkneifen musste. Erst dachte ich daran, allen zuhause Gebliebenen etwas Hübsches mitzubringen, hielt die Idee dann dennoch für weit übertrieben. Das Foto wird zeigen, warum.

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Auch bei Madame Tussauds blieb ich  diesmal wieder standhaft. Ich bin einfach zu geizig, mir für knapp 30,- Euro ein paar Wachsfiguren anzusehen. Das tat ich vor paar Jahren schon nicht und ließ es auch heute wieder sein. Das nächste Mal werde ich mir ein Online-Ticket vorab besorgen. Dann kostet der Eintritt die Hälfte, was auch für mich völlig in Ordnung und angemessen ist.

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Schweigen ist nicht gleich Sitzen in Stille

Wenn etwas zu meinen Lieblingsorten in Berlin zählt, ist es der Raum der Stille im Brandenburger Tor. Wann immer ich in Berlin bin, muss ich einmal dort sitzen. Der Raum der Stille ist ein perfekt schallisolierter Raum, der keinerlei Außengeräusche hereinlässt. Während draußen das massentouristische Leben tobt,  verstummt jedes Geräusch, sobald man die Türe hinter sich schließt. Hier kann ich so schön abschalten, zur Ruhe kommen und für einen kurzen Moment ganz eins mit mir selbst sein. Es hat etwas von einer Zen-Meditation. Im Raum der Stille wird – wie der Name vermuten lässt – nicht gesprochen. Zuerst saß ich alleine dort. Dann kamen nach und nach andere Menschen herein, die sich setzten und … schwiegen. Niemand sprach ein Wort aber sie waren nicht still. Niemandem von ihnen gelang es, einfach in Stille zu sitzen. Schweigen ist nicht gleich Sitzen in Stille. Mehrere junge Touristinnen raschelten mit ihren Flip-Flops. Ein paar junge Mädchen, die später hereinkamen, mussten sich ob der Stille beherrschen, nicht laut loszuprusten. Dabei zogen sie allerlei witzige Grimassen, weil es ihnen offensichtlich schwerfiel, nicht laut zu lachen. Als der Druck zu groß wurde, gingen sie wieder hinaus. Eine Familie kam und setzte sich. Zwar schwiegen auch sie, doch im Schweigen schrien sie alle durcheinander. Wie das gehen soll? Das kann man nur erfahren, wenn man es selbst ausprobiert. Dann weiß man, was ich meine. Es spielt keine Rolle, ob du schweigst, also nicht sprichst. Solange dein Geist nicht still ist, plappert er wortlos durcheinander. Und ich merke das – nicht mit den Ohren, sondern mit dem Herzen. Mir fiel sowieso auf, dass es kaum jemand mehr als maximal 5 Minuten in dem Raum aushielt. Sind wir so unruhig, dass Stille uns zur Qual wird? Ich saß dort vermutlich geschätzte 30 Minuten und wollte eigentlich für immer dort sitzen bleiben. Ich war ganz still, denn mein Geist war still. Mich störten die Menschen in meiner eigenen Stille nicht. Ich nahm sie zur Kenntnis aber sie brachten meine eigene Ruhe nicht durcheinander. Trotzdem musste ich irgendwann wieder zurück nach draußen in den Alltag, in den Lärm und in das hektische Treiben. Um die Ecke beim Hopfinger Bräu trank ich dann meine nächste große Flasche Wasser und aß etwas.

Chewing Gum Art – ist das jetzt angesagt?

Nach dem Essen im Hopfinger Bräu ging ich Richtung Unter den Linden, zog es aber vor, ab jetzt S- und U-Bahn zu nehmen. Auf dem Weg zur S-Bahn-Station sah ich etwas, das meine Aufmerksamkeit sofort fesselte: Linden, deren Stämme von oben bis unten mit zahllosen, ausgelutschten Kaugummies beklebt sind. Chewing Gum Art – ist das jetzt neuerdings angesagt? Muss ich mir das so vorstellen, dass einer anfing und viele es nachmachten? Oder waren es ganze Schulklassen, die alle gleichzeitig ihre Kaugummies dort entsorgten? Wollen oder sollen mir diese derart verzierten Stämme etwas sagen? Ich bin ratlos und das passiert mir nicht oft.

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Eines weiß ich ganz sicher, ich werde bestimmt in absehbarer Zeit wieder einmal nach Berlin fahren. Ob ich mich dann nochmals für meine aktuelle Pension entscheide, wage ich zu bezweifeln. Nun gut, es muss auch nicht gleich das hier sein:

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Aber irgendetwas dazwischen werde ich mir dann aussuchen. Morgen geht es zurück nach Osnabrück. Der letzte Tagebucheintrag von diesem Urlaub wird dann von zuhause aus online gestellt. Danach gibt es erst mal eine kleine Pause, bis wieder ein Urlaub, ein Wochenend-Trip oder ein Tagesausflug ansteht.

Berlin, 25.06.2016                              Sigrun Hopfensperger

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Berlin Tag 5: Blues-Rock im Quasimodo

Nach einem letzten opulenten und traumhaften Frühstück ging es frisch gestärkt vom Spreewald weiter in Richtung Berlin. Hier verbringe ich noch 2 Tage bis zu meiner Heimreise am Sonntag. Die Fahrt dorthin war – wie immer – entspannend und gemütlich über die Dörfer, aus den Lautsprechern tönten alte Jazz- und Bluesscheiben. Da kann es einem nur ganz hervorragend gehen.

Sich niemals verkleinern …

… lautet eine altbewährte Devise. Will meinen: Man soll sich niemals verschlechtern. Verbessern geht immer aber verschlechtern niemals. Leider lässt sich das nicht immer so steuern. Als ich in meiner Berliner Pension eingecheckt und das Zimmer bezogen hatte, sah ich, wo ich gelandet bin: in einer ca. 7 Quadratmeter großen Minibude mit Dusche und Waschbecken zwar, dafür aber Gemeinschaftstoilette auf dem Flur. Dafür hat das Zimmer andere Vorzüge:

Zum einen ist es – für Berliner Verhältnisse – sehr preisgünstig. Zum anderen liegt es relativ nahe am Quasimodo, jenem Club, in dem ich abends zum Konzert gehe wollte. Und da ich nicht beabsichtige, hier mit meinem ganzen Hab und Gut einzuziehen und auch nicht geplant habe, hier eine Party zu feiern und Walzer zu tanzen (oder wohl eher Lindy Hop), reicht mir das kleine Zimmer aus. Ich will hier schließlich nur schlafen, sofern das in einem quietschenden Bett mit viel zu weicher und durchgelegener Matratze problemfrei möglich ist. Hat einen gewissen Charme à la Bohème …

Die Hackeschen Höfe – Pflichtprogramm bei jedem Berlinbesuch

Ich plante, mich mit lieben Osnabrücker Freunden, die ebenfalls gerade zur Zeit hier verweilen, zu treffen. Treffpunkt sollte der Kiez am Prenzlauer Berg werden. Bis ich mich aber treffen konnte, hatte ich noch etwas Zeit. Zeit genug, um mein Pflichtprogramm, das bei jedem Berlinbesuch ansteht, absolvieren zu können: einen Besuch in den Hackeschen Höfen. Dort gönnte ich mir kühle, alkoholfreie Drinks, was bei der Hitze und drückenden Schwüle  wichtig ist, sowie einen Salat. Natürlich hielt ich die Höfe in einigen Bildern fest, obwohl ich sie schon unzählige Male fotografiert hatte. Diese Höfe haben einen so unbändigen Charme. Sie ziehen nicht umsonst Besucher aus aller Welt an, die sich von den Hinterhöfen, die mit viel Liebe bepflanzt wurden und so kleine grüne Oasen geschaffen haben im Herzen der pulsierenden Großstadt, genauso faszinieren lassen wie ich. Sollte ich Großstadtkind jemals wieder zurückziehen in die Großstadt, wäre dies genau die Art, wie ich leben möchte: Ruhig, grün, Altbau, urig.

Der Kiez am Prenzlauer Berg – der Duft der Großstadt

Es sieht sehr urig aus, das Kultviertel am Prenzlauer Berg. Prächtige Altbauten, ein gelassenes Flair von Sraßencafés … Es hat was. Da ich hier mit einer lieben Freundin verabredet war, ließ ich mich im „Weinberg“, einer ganz zauberhaften kleinen Weinhandlung mit Bar und Straßencafé nieder. Ich konnte ihn wieder ganz in mir aufsaugen, den Geruch, den ich mit meinen ersten Atemzügen eingeatmet hatte und der mich später nie wieder loslassen sollte: den Duft der Großstadt. Als Münchnerin bin ich ein Kind der Großstadt. Ich fühle mich in meiner Wahlheimat Osnabrück sehr wohl und möchte von dort auch nicht mehr unbedingt weg. Dennoch schlummert in mir eine tiefe Sehnsucht nach dem Geruch der Großstadt, die ich hin und wieder befriedigen muss. Es reicht, wenige Tage in einer Großstadt zu verbringen, egal ob München, Hamburg, Köln oder eben Berlin. Ich will diesen ganz speziellen Duft einfach nur einatmen. Wie ein Junkie, der einen Schuss braucht, um eine Weile wieder über die Runden zu kommen, bis die Sucht sich wieder meldet.

Stadtflair alleine reicht nicht aus. Auch Osnabrück ist eine große Stadt mit sehr viel Charme und Flair. Nicht umsonst fühle ich mich dort wohl. Aber Osnabrück ist keine Metropole wie die großen Städte dieser Welt. Eine Großstadt riecht anders, fühlt sich anders an, sie pulsiert und summt unentwegt vor sich hin wie ein Bienenstock, in dem auch bei der Nachtruhe stets ein harmonisches Brummen von dem Volk darin ausgeht. Und die Großstadt riecht anders … Es ist ein Duft, der jenen süchtig macht, der aus der ihr entstammt. Wer diesen Duft nicht bereits als Kleinkind eingeatmet hat, wird es niemals verstehen. Dabei sind die innerstädtischen Nebenviertel wunderschön und voller Charme – so auch der Prenzlauer Berg.

Das Highlight – Jimmy Gee im Quasimodo

Endlich war es soweit, der Abend war da und das Konzert im Quasimodo, einem der renommiertesten Jazz- und Musikclubs in ganz Europa, rückte näher. Ich freute mich darauf, hier vor Ort einen der besten Rock- und Bluesgitarristen live zu erleben, den Deutschland derzeit zu bieten hat: Jimmy Gee und seine Band. Leider hatte ich meine Kamera nicht mitgenommen, da mir nicht bewusst war, dass ich dort hätte fotografieren dürfen. Das Konzert war grandios. Er spielte alte und neuere eigene Stücke und Songs aus seinem brandneuen Album. Dazwischen bot er immer auch Coversongs dar. Sehr schön von ihm auch seine Interpretation von Leonard Cohens „Hallelujah“. Seine Stimme korrespondiert natürlich auch ganz hervorragend mit Jon Bon Jovi, was der Grund dafür sein mag, dass er auf seinen Konzerten gerne Bon Jovi Songs covert. Überhaupt war das ganze Programm sehr vielseitig. Wir bekamen Guitar Blues vom Feinsten geboten, der John Mayall & The Bluesbreakers in nichts nachstand. Wir bekamen aber auch härtere Klänge aus den Kategorien „Hardrock“, „Heavy Rock“, „Progressive Rock“ und sogar eine Covernummer aus dem Bereich „Country Rock“ (Honky Tonk Woman). Ich kam voll und ganz auf meine Kosten. Glücklich und zufrieden ging ich gegen halb drei in mein viel zu unbequemes Bett und sank – trotz allem – in einen erholsamen Schlaf.

Berlin, 24.06.2014                           Sigrun Hopfensperger

Spreewald Tag 4: Auf Pücklers Spuren im Park Branitz

Als ich in diesem Jahr im Mai die Parkomanie-Ausstellung in der Bundeskunsthalle in Bonn besucht hatte, die sich ganz der Gartenkunst des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau widmet, war mir klar: Sobald ich in der Gegend sein würde, besuche ich das Schloss Branitz bei Cottbus und insbesondere den wunderbaren Schlosspark.

Ein Paradies für Wald- und Naturfreunde

Ich zähle mich persönlich zu den Wald- und Naturfreunden. Zwar habe ich auch ein Faible für Gärten, jedoch halten sich meine botanischen Kenntnisse in Grenzen. Ich mag Blumen und überhaupt alle Pflanzen, ob grün oder blühend, doch wirklich alle benennen kann ich nicht. Die wenigen, die ich kenne, sind so bekannt, dass selbst ich sie kennen muss. Anders ist es da mit dem Wald. Hier komme ich eher in mein Metier. In meiner Kindheit ging mein Vater mit mir sehr viel in die Wälder. Er ging dabei nicht einfach mit mir spazieren. Er erklärte mir jeden einzelnen Baum, woran man ihn erkennt (Blattform, Rinde, Wuchs …) und was ihn so besonders macht. Meine heutige Verbundenheit mit dem Wald mag aus diesen Kindheitserinnerungen herrühren. Ich lese mit Spannung und Genuss Peter Wohlleben und liebe es, stundenlang durch Wälder zu spazieren. Im Wald fühle ich mich zuhause.

Der ganze Schlosspark ist der Natur nachempfunden. Es gibt nirgendwo direkte Sichtachsen. Glaubt man, den Park überschauen zu können, weil man auf eine freie Fläche blickt, sieht man nur einen verschwindend kleinen Teil, nichts ahnend, dass es dahinter noch viel weiter geht. So erging es mir, als ich den Park betrat. Ein kleiner Rundweg führte mich um eine freie Wiese.

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Schnell war ich um diesen kleinen Teil des Parks herum, ohne das Schloss und einen der Seen gesehen zu haben. Bevor ich diese Runde beendete, kam ich noch zu einem kleinen Haus, das einen Garten im historischen Stil mit ebenso altem Zaun zeigte. Dass dies nicht alle Höhepunkte des Parks sein konnten, dachte ich mir schon. Aber ich sah auch nicht, wo es weitergehen sollte.

Als ich wieder dort landete, von wo aus ich gestartet war, nahm ich einen kleinen Weg, der halb rechts hoch führte. Und dieser führte mich plötzlich sehr verwinkelt zum Schloss, dessen Anblick von außen mich sehr faszinierte. Leider kam ich nicht dazu, das Schloss von innen zu besichtigen, was einfach daran lag, dass ich viel zu viel Zeit im Park verbracht hatte und mich gar nicht loseisen konnte. Das ist natürlich sehr schade, zumal das zwischen 1770 und 1772 erbaute Schloss Branitz über eine wunderschöne Bibliothek verfügen soll, die ich nun versäumte, was ich sehr bedauere. Denn neben der Natur im Walde sind es vor allem Bücher, die mich anziehen. Ich könnte sowohl in einer kleinen Hütte im Wald leben, wie es Henry David Thoreau in seinem Werk „Walden“ beschrieben hatte. Andererseits würde mir auch ein Schlafsack in einer traumhaften riesigen Bibliothek genügen. Habe ich Bücher oder den Wald um mich herum, kann ich auf alles andere gut und gerne verzichten. Die Außenansicht des Schlosses war aber schon eine Augenweide, die mich tief berührte. Dazu kam noch die kleine Runde durch den Laubengang mit den Skulpturen und der großen, mit Weinlaub bedeckten Pergola in der Mitte. Ein Ort, der zum Verweilen geradezu einlädt.

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Fürst Hermann von Pückler-Muskau – ein genialer Landschaftsarchitekt

Ich werde an dieser Stelle keinen Exkurs über Fürst Pückler, sein Leben und seine Zeit verfassen. Das haben andere schon viel ausführlicher getan und besser als ich es jemals tun könnte. Deshalb werde ich hier einige Links zu Fürst Pückler angeben, unter denen alles genau nachgelesen werden kann:

Deshalb geht es hier weder um den Fürsten in seiner Zeit und in seinem politischen Umfeld, noch um ihn als Galan bei den Damen, insbesondere der afrikanischen Machbuba, nach der immer jeder zuerst fragt, der sich mit Pückler beschäftigt. Hier geht es um die naturbelassene Garten- und Landschaftsgestaltung, die er federführend mitgestaltet hatte. Jeder Baum, jeder Strauch, jeder Weg ist so angeordnet, wie es der Fürst genau geplant hatte. Keine direkten Sichtachsen, labyrinthische Anordnung, immer wieder Unterbrechungen durch künstlich angelegte Seen und Wasserläufe … das alles zaubert durch Menschenhand geschaffen ein Naturwerk, wie es die Natur selbst nicht besser hätte hervorbringen können.

Die Grabpyramide des Ehepaares Pückler

Ich war bislang immer der fälschlichen Ansicht, dass lediglich Pücklers Herz in der Pyramide im See beigesetzt worden sei. Dem ist aber nicht so, wie man in Wikipedia nachlesen kann. Da eine Kremierung zu damaligem Zeitpunkt nicht üblich war, ordnete er  an, dass sein Herz in Salzsäure aufgelöst und sein Körper in anderen Säuren eingelegt und bestattet werde. Damit löst sich der physische Leib ebenfalls in Nichts auf, ganz ohne das Zutun von Flammen.

Zum Abschluss mein persönliches Highlight – ein ganz besonderer Baum

Beim Anblick dieses Baumes blieb mein Herz vor Faszination fast stehen. Was für eine Schönheit. Edle Gestalt, hoher Wuchs und voller Blütenstand: eine üppige Edelkastanie. Es war wunderschön zu sehen,wie die Bienen sich zahlreich an den Blüten nährten und Nektar sammelten. Ganz prall gefüllt sind ihre Körbchen an den Hinterbeinchen. Es summt und brummt in den Blüten. Ein Ohrenschmaus für jeden, der die Natur liebt – und Bienen dazu.

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Und damit neigt sich mein Aufenthalt im Spreewald dem Ende zu. Es waren vier schöne Tage. Ich habe viel gesehen und noch mehr Bilder gemacht. Alle diese Eindrücke bleiben in meiner Erinnerung. Diese Erlebnisse kann uns niemand nehmen. Man kann uns materielle Dinge wegnehmen, niemals aber unsere Erlebnisse und die Erinnerungen daran. Morgen früh, kurz nach dem Frühstück, wenn ich in Ruhe gepackt habe, werde ich nach Berlin fahren. Dann erwarten mich bis Sonntag noch zwei schöne Tage in unserer Hauptstadt und Kulturmetropole. Aber darüber werde ich separat berichten.

Lübbenau, 23.06.2016                                      Sigrun Hopfensperger

Spreewald Tag 3: Eine Kahnfahrt zu den Spreewälder Highlights

Heute stand das auf dem Programm, was ich mir unbedingt schon zuhause, lange vor der Abreise, vorgenommen hatte: Eine beschauliche Kahnfahrt durch den Spreewald. Geplant hatte ich eigentlich die große Hochwald-Tour von 10 Stunden, durchgeführt wurde aber nur die große Kahntour zu den Highlights. Sie dauerte auch noch gute 5 Stunden und war wirklich sehr sehenswert.

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Beschaulichkeit und Naturidylle

Was mich heute am meisten an dieser Kahntour faszinierte, ist diese Ruhe und Beschaulichkeit. Die Spree hat hier in der Region nur eine sehr geringe Strömung. Hier wachsen viele Seerosen. Weiße Seerosen und gelbe Teichrosen säumten unseren Wasserweg. Ganz ruhig glitt unser Kahn durchs Wasser, nur die Geräusche der Natur waren zu hören (und natürlich die Gespräche an Bord). Blaue Prachtjungfern flogen zuhauf hin und her, während andere Libellenarten im Hochzeitsflug immer wieder deren Weg kreuzten.

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Viele Entenfamilien waren zu sehen, weil zur Zeit die Jungtiere mit ihren Eltern schwimmen. Apropos, die kleinen Minifröschlein, die ich gestern sah, sind keine ausgewachsenen Tiere einer Miniatur-Art, sondern ganz kleine Jungfrösche. Das war der Nachwuchs, der jetzt durch die Wälder springt, kleine Baby-Fröschlein. Gut, dass ich so achtsam war.

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Zauberhafte und sagenumwobene Auenlandschaft 

Im Reiseführer wird der Spreewald als eine urwüchsige Auenlandschaft beschrieben, bei der sich die Spree in unzählige Gräben, Kanäle und Fließe verzweigt. Natürlich verstand unser Fährmann sein Geschäft und erzählte uns auch alte sorbische Sagen. Einer Sage zufolge habe der Teufel höchstpersönlich den Spreewald in seiner heutigen Form erschaffen. Er wollte mit seinen Ochsen den Boden pflügen aber die Tiere sträubten sich. Da wurde der Teufel wütend, knallte mit der Peitsche und schmiss seinen Hut nach den Tieren. Diese hatten sich so sehr erschrocken, dass sie auseinander jagten und überall, wo sie in ihrer Panik längs liefen, tiefe Furchen in den Boden rissen. Diese füllten sich dann mit Spreewasser – fertig war der Spreewald.

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Von dieser Erle erzählt man, ein Riese habe sich den abzweigenden Stamm so zurecht gebogen, damit er sich bei Bedarf einen Bogen daraus fertigen könnte. Die Form ließe durchaus darauf schließen.

Ich habe hier noch eine kleine idyllische Zusammenstellung meiner Impressionen von der Kahnfahrt auf der Spree. Hier können Worte nicht beschreiben, was durchs Auge direkt ins Herz geht.

Kurze Rast an der Waldgaststätte Wotschofska

An der „Erleninsel“ hielten wir mit unserem Kahn für eine kurze Rast an. Im Sorbischen bedeutet „wotso“ Erle. Hierbei handelt es sich um eine sehr urigen Waldgaststätte, die wirklich idyllisch mitten im Laubwaldgebiet liegt. Hier kommen alle Kahnfahrer und Kanuten vorbei, um sich bei einem erfrischenden Getränk oder einer Gurkenbockwurst (d.i. eine mit Gurken gefüllte Bockwurst) zu stärken. Ich aß dort nichts, weil wir in Lehde noch Gelegenheit finden sollten, ausreichend zu Mittag zu essen. Da ich diese Gaststätte aber idyllisch finde, möchte ich sie hier teilen.

Ein kleiner Abstecher in Gebiete, in die man sonst nicht gelangt

Unser Fährmann versprach uns bereits vor der Abfahrt in Lübbenau, mit uns eine kleine Schleife zu fahren hinein in ein Gebiet, das noch die traditionelle Spreewälder Kulturlandschaft zeigt. Wir zweigten in einen kleinen Graben ab, der sehr schmal wurde. Hier hatte nur unser Kahn Platz. Rechts und links konnten wird die Uferpflanzen mit der Hand berühren. Wir gelangten zu bestellten Feldern mit Erbsen, Kartoffeln, Dill und anderen regionalen Anbaupflanzen. Ein Pirol sang ganz laut sein Lied. Sehen konnte ich ihn nicht, dafür aber ganz deutlich hören. Über uns zog ein Milan seine Kreise ..

Lehde – ein Ort, in dem die Zeit stehengeblieben scheint

Endlich war es soweit, wir erreichten Lehde, jenen Ort, den ich eigentlich ursprünglich bereisen wollte. Ich wollte  in einer Pension direkt am Fließ unterkommen, dann ergab es sich aber, dass ich nach Lübbenau ging. Lehde wurde von Theodor Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ ganz besonders lobend erwähnt. Er sah in dem kleinen idyllischen Dörfchen eine „Lagunenstadt im Taschenformat“. Und noch heute bewegt sich hier alles viel langsamer. Einen Teil Lehdes kann man mit dem Auto erreichen, den anderen nur über das Wasser per Kahn. Selbst die Post wird hier noch mit dem gelben Postkahn zugestellt. Auch die Feuerwehr kommt mit einem extrabreiten Löschkahn, wird sie mal zu einem Einsatz gerufen. Ich kann gar nicht verstehen, dass Lehde noch nicht zur Cittaslow ernannt wurde. Das mag daran liegen, dass Lehde keine Stadt, sondern ein Dorf ist. Aber hier ist alles entschleunigt. Ganz idyllisch liegen die Häuser rechts und links an den Fließufern. Üppige Gärten erfreuen mein Auge. Die Häuser sind sehr traditionell, vielfach aus Holz gebaut und liegen still in ihre wunderschönen Gärten eingebettet, oftmals umgeben von einem Zaun aus Blumen. In diesen Ort kann man sich nur verlieben – und so tat ich es auch. Wenn mein Herz nicht so sehr an Osnabrück, an der Region und an den Menschen dort vor Ort hängen würde, ich würde glatt nicht mehr nachhause kehren, sondern gleich hierbleiben.

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Lübbenau, 22.06.2016                                    Sigrun Hopfensperger

Spreewald Tag 2: Gurken, Minifrösche und Monstermücken

Vom heutigen Tag weiß ich eigentlich nichts wirklich Nennenswertes zu berichten. Da heute Morgen das Wetter noch ziemlich durchwachsen war, beschloss ich, den heutigen Tag zum Ausruhen zu nutzen. Nach einem traumhaft tollen, sehr opulenten, mit Liebe zubereiteten Frühstück in meiner Pension ging ich zurück auf mein Zimmer, beendete den Blogbeitrag von gestern und gab gegen Mittag der mich überkommenden Müdigkeit nach. Da mir nichts wegläuft, zog ich es vor, mich tatsächlich noch für eine Weile hinzulegen. Der Schlaf tat gut und setzte neue Kräfte frei.

Abendessen im Zeichen der Gurke

Zum Spätnachmittag hin machte ich mich dennoch auf den Weg. Ursprünglich wollte ich nach Lehde fahren, landete dann aber doch wieder im Zentrum von Lübbenau. Also beschloss ich, mir nur ein ganz gemütliches Abendessen zu gönnen und im Anschluss noch einen kleinen Spaziergang durch den Spreewald zu machen. Ich kehrte im Biergarten „Zum Spreeschlösschen“ ein und genehmigte mir Festes und Flüssiges von der Gurke:

  • Gurken-Radler (absolut empfehlenswert; sehr erfrischend, nicht zu süß; und die Kombination aus Gurkensaft und Bier harmoniert erstaunlicherweise)
  • Spreewälder Gurkensuppe (klein) als Vorspeise
  • Ein in Butter gebratenes Zanderfilet mit Salzkartoffeln, dazu Gurkensalat, geschmortes Gurkengemüse und eine aus Gurken gemachte Soße – alles passte perfekt zusammen

Da hier die berühmteste Gurken-Region Deutschlands ist, wäre es eine Sünde, sich kulinarisch nicht darauf einzulassen. Überhaupt ist es mir immer ein Anliegen, mich auf regional oder kulturell andere (im Ausland) Spezialitäten einzulassen. Das, was ich schon kenne, bekomme ich zuhause. Man muss sich einfach mal darauf einlassen (wollen!). Gestern beispielsweise aß ich einen gemischten Spezialitäten-Teller, der auch drei kleine Stücke einer panierten Blutwurst enthielt.

Eigentlich mag ich keine Blutwurst, zumindest nicht diese Rotwurst oder den in Bayern berühmten roten Pressack. Diese Art der Blutwurst erinnerte jedoch ein wenig an die rheinische „Blotwosch“. Ist zwar auch nicht meine Leibspeise, doch gestern beschloss ich einfach, mich diesem Geschmack einmal hinzugeben. Und es war gar nicht mal so schlecht.

Ein Abendspaziergang durch den Spreewald

Führte mich mein Spaziergang gestern eher durch den Ort bis an die Spree, ging ich heute direkt einen kleinen Pfad durch den Wald an der Spree entlang. Das Wetter wurde nochmal wunderschön und ich genoss die warme, sommerliche Abendsonne. Ein Glück, dass ich immer mit gesenktem Blick laufe. Das tue ich schon aus Gründen der Empathie, damit ich nicht versehentlich irgendein kleines Wesen zertrete. Und ich sah ein kleines, dunkles Wesen blitzschnell über den Weg springen. Mein erster Gedanke war, dass dies kein Käfer sein könne, sondern evtl.eine kleine Springspinne sein müsse. Ich versuchte, genauer hinzublicken. Was ich dann sah, hätte ich niemals vermutet …

Ein Fröschlein kleiner als mein kleiner Fingernagel

Die vermeintliche kleine Springspinne entpuppte sich bei einem näheren Blick als ein kleines Minifröschlein, das nicht einmal so groß wie der Nagel meines kleinen Fingers war. Und es hüpfte hier nicht alleine herum. Eine ganze Froschpopulation war emsig dabei, über meinen Weg hin und her zu laufen respektive zu springen. Ich ging umso vorsichtiger, wollte ich doch keines dieser Miniwesen unter meine Schuhe bekommen, was unweigerlich dessen Ende bedeutet hätte. Zu gerne würde ich eines dieser Fröschlein fotografieren, dachte ich mir. Es gelang mir auch, eines dieser kleinen Amphibien auf die Hand zu nehmen. Allerdings war die Kamera noch nicht betriebsbereit. Der kleine Frosch harrte artig auf meiner Handfläche aus, allerdings immer mit einem Seitenblick, der mir zu verstehen geben sollte, dass er wohl nicht ewig Zeit habe, sondern heim zu Weib und Kind müsse. Ich beeilte mich, so gut ich konnte.

Dazu blieb ich natürlich stehen, nahm die Abdeckung ab, schaltete die Kamera an und wartete, bis sie soweit war. Für das Fröschlein eindeutig zu lange. So lange wollte es dann doch nicht warten und sprang mir flugs von der Handfläche und verschwand im grünen Walddickicht.  Dafür bekam ich anderweitige Gesellschaft – mehr als mir lieb war.

Spreewälder „Riesenmücken“ – schon vor Abreise als sehr berüchtigt beschrieben

Lange vor meiner Abreise warnte mich schon ein lieber Mensch eindringlich vor den „Riesenmücken“ im Spreewald, wobei sie mit ihren Händen derart ausladende Gesten machte, dass ich annehmen musste, die Spreewälder Mücken besäßen Schwalbengröße. Da ich gestern noch keinerlei Mückenbekanntschaft machen durfte, war ich heute umso neugieriger auf die angeblich überdimensionierten Monstermücken. Ja, sie sind sehr stattlich. Das muss ich zugeben. Ich vermute, dass es die berüchtigten, von irgendwo zu uns eingewanderten Tigermücken sind. Diese sind jedenfalls erheblich größer als unsere heimischen Plagegeister. Immer wieder ließen sich vereinzelte „Riesenmücken“ während meines Spaziergangs auf meinen Armen oder anderen frei zugänglichen Stellen nieder und stießen ihre gierigen Saugrüssel in mich, um sich an meinem süßen Lebenssaft zu laben. Als ich jedoch stehenblieb, um das kleine Fröschlein zu fotografieren, sah der Obermückerich seine Gelegenheit gekommen, blies zum Angriff und innerhalb weniger Sekunden fiel der gesamte Schwarm, ach was, die komplette Spreewälder Mückenpopulation, über mich her. Ich war komplett übersät mit Mücken. Nun half auch meine buddhistische Gelassenheit nichts mehr und meine Tierliebe und die Verbundenheit mit allen Wesen war dahin. Ich ging zum Gegenangriff über. Mit gezielten Wischbewegungen waren sie schnell alle weg, wobei einige ihr Leben lassen mussten. Selbstverständlich habe ich mich bei jedem Kriegsopfer persönlich entschuldigt, mich in Gedanken verneigt und ihm eine schöne Wiedergeburt gewünscht – hoffentlich nicht mehr als Mücke.

Ein paar idyllische Impressionen

Der Spaziergang hatte sich gelohnt, ebenso wie die Opfer, die ich dafür erbringen musste. Ich durfte noch ein paar sehr idyllische Impressionen mit der Kamera einsammeln. Hier könnte ich auch leben. Wer weiß, vielleicht verschlägt es mich ja mal in diese Gegend? So ruhig und abgelegen zu leben, im Einklang mit der Natur, das wäre jedenfalls genau das, wonach mein Herz sich sehnt.

Lübbenau, 21.06.2016                              Sigrun Hopfensperger

Spreewald Tag 1: Anreise

Der Flieger genießt es, in der Luft zu sein. Der Visionär genießt es, sein zukünftiges Leben zu betrachten. Beide schätzen die Reise und die Veränderung. Das Ziel gibt nur die Richtung an, doch der Genuss liegt in der Fortbewegung! Unter Lebenskunst verstehe ich die Kunst, verändernde Strebsamkeit und bewahrende Langsamkeit im Leben zu vereinen. Nur das goldene Mittelmaß bringt die Frucht einer gesunden Entwicklung hervor. (S.H.)

Diese Sentenz verfasste ich einmal vor Jahren. Sie trifft sehr gut, auf welche Weise ich auf Reisen gehe. Ich fahre nicht um anzukommen, sondern um unterwegs zu sein. Demnach ist die Art und Weise des Verreisens ein guter Spiegel für die Art und Weise der eigenen Lebensführung. So ist der heutige Tag geprägt von der Anreise nach Lübbenau im Spreewald.

Stunden unterwegs – ein Wechselbad der Gefühle

In der Regel ziehe ich die Landstraße der Autobahn vor. Ich liebe es, vielseitige und abwechslungsreiche Eindrücke zu gewinnen, kleine Dörfer kennenzulernen und vieles dabei zu entdecken. Auf der Autobahn ist es ein monotones, schnelles Geradeausfahren – viel zu eintönig für meinen Geschmack. Dennoch neigt ein Navigationsgerät – meines zumindest – dazu, mich streckenweise immer über die Autobahn zu schicken. Nun gut, ich folge, wenn auch nur widerwillig. Ich behaupte von mir selbst, einen relativ zügigen Fahrstil zu haben. Nicht zu schnell und nicht zu langsam – angepasst eben. Manchmal jage ich den Tacho bis auf knapp 200 km/h, manchmal schalte ich den Tempomat ein und bleibe rechts konstant bei gepflegten 110 km/h. Das hängt von meiner Lust und Laune ad hoc ab. Ich fahre also entweder ziemlich zügig oder ziemlich gemütlich. Tue ich letzteres, fahre ich selbstverständlich rechts, wie es sich gehört.

So bin ich also auf der Autobahn unterwegs, diesmal mit einer etwas flotteren Attitüde, was durchaus an der belebenden Swingmusik liegen kann, die mir aus dem CD-Player entgegenschallt. Ich fahre auf der mittleren Spur, um einige LKW und langsamere Fahrzeuge auf der rechten Spur zu überholen, da tut es sich vor mir plötzlich auf …

Das Grauen der Autobahn!

Es kommt immer näher, bedrohlich näher … Ich blicke mich um: Auf die rechte Spur wechseln geht nicht, weil ich dann rechts an diesem bedrohlichen Etwas  vorbeiziehen müsste, was die Straßenverkehrsordnung überhaupt nicht goutiert. Links ist besetzt von einem Pulk sich um die Wette rasender Möchtegerns… Ich muss also ausharren, bis dieser Pulk vorbei ist und ich nach links ausweichen kann. Langsamer werden alleine reicht nicht aus, ich muss etwas die Bremse zu Hilfe nehmen, noch bevor ich zügig auf die linke Spur wechseln und ausweichen kann. Endlich gelingt es mir dann, links an dem Grauen vorbeizuziehen, von dem ich bereits eine genaue optische Vorstellung habe, die sich auch bestätigt, als ich einen gestrengen Blick nach rechts hinüber werfe:

Es sitzt genau das hinter dem Steuer, was ich zuvor vermutet hatte: ein kleines, hutzeliges Männlein, die blankpolierte Glatze heroisch bekränzt von einem weißen Ring aus kurzen Haarstoppeln. Auf dem Kopf einen Hut tragend, der nur auf ein Stückchen des blanken Schädels einen Blick gestattet,  aufrecht sitzend, als ob der hauseigene Besenstiel die einzige Mahlzeit des Tages gewesen sei: Ein klassisches Repens in medio penetrans – der gemeine Mittelspurkriecher. Ein ganz gefährliches Tierchen, das einem immer wieder auf den Autobahnen begegnet. Ich ziehe an ihm vorbei und muss mit großer Kraftanstrengung dem Verlangen widerstehen, im Vorbeifahren den Mittelfinger aufzurichten … ich unterlasse diese obszöne Geste. Meine Gedanken sind in diesem Moment schon obszön genug, da bedarf es keiner gestischen Unterstreichung.

Abwechslungsreiche Straßennamen und ein knurrender Magen

Irgendwann komme ich durch Sachsen-Anhalt und gelange von dort aus nach Brandenburg. Inzwischen folgt mein Navigationsgerät wieder meinen Wunschvorgaben, die Autobahn zu umgehen und über die kleinen Dörfer zu fahren. Ich genieße nach wie vor die tolle Musik im Auto, als ein unschönes Geräusch die flotten Rhythmen zu stören droht: mein Magen knurrt. Also beschließe ich, in irgendeinem dieser Dörfer anzuhalten und etwas zu essen. Nun haben die brandenburgischen Dörfer, die ich durchfuhr, vieles gemeinsam: zum einen die Optik. Zum anderen haben alle Lokale in jedem Dorf ihre Pforten geschlossen. Nicht einmal Geschäfte gibt es. Wovon leben die Menschen dort? Dafür zeichnen sie sich durch großen Pragmatismus aus, da in nahezu jedem Dorf die Durchgangsstraße den außergewöhnlichen Namen „Dorfstraße“ trägt. Ich bin jetzt bereits kurz vor meinem Ziel, Lübbenau. Da will das Navigationsgerät noch einmal von mir, dass ich für 6 Kilometer die Autobahn benutze. Das ist insofern ganz gut, weil ich dann dort auf der Raststätte noch eine Kleinigkeit essen kann. Nun dauert es nicht mehr lange und ich komme in Lübbenau in meiner Unterkunft an: Pension  Tannenwinkel. Ich darf mich über ein wirklich großzügiges Zimmer freuen, das mit viel Liebe zum Detail hergerichtet wurde. Selbst eine Regendusche habe ich in meinem Badezimmer, ein Luxus, den manche Hotels ihren Gästen nicht bieten. Diese Pension ist wirklich sehr empfehlenswert, denn hier erwartet einen ein perfektes Preis-Leistungsverhältnis.

Auf Fotoerkundungstour in den Ortskern

Das erste, was ich an einem Urlaubsort mache ist, die Ortschaft zu erkunden, nachdem alles ausgepackt ist. So bewaffne ich mich mit meinem Fotorucksack und ziehe zu Fuß los in Richtung Kahnhafen und Ortskern. Ich will unbedingt noch erste Impressionen festhalten, die ich an dieser Stelle gerne teile, sofern es mit meiner Online-Verbindung funktioniert. Selbst mein mobiler W-LAN-Router möchte hier nicht so richtig …

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Idyllische Beschaulichkeit

So viel kann ich nach den ersten Eindrücken schon sagen: Hier herrscht eine idyllische Beschaulichkeit. Die kleinen, stillen Wasserstraßen, umringt von viel Grün … ich spaziere daran längs  und schaue, wie sich die Häuser der Anwohnenden im Wasser spiegeln. Dabei blicke ich durch die herabhängenden Zweige eines überladenen Baumes auf die stille Szenerie und muss unweigerlich an mein Lieblingsgedicht von Hugo von Hofmannsthal denken:

Besitz

Großer Garten liegt erschlossen,
Weite schweigende Terrassen.
Müßt mich alle Teile kennen,
Jeden Teil genießen lassen!

Schauen auf vom Blumenboden,
Auf zum Himmel durch Gezweige,
Längs dem Bach ins Fremde schreiten!
Niederwandeln sanfte Neige:

Dann, erst dann komm ich zum Weiher,
Der in stiller Mitte spiegelt,
Mir des Gartens ganze Freude
Träumerisch vereint entriegelt.

Aber solchen Vollbesitzes
Tiefe Blicke sind so selten!
Zwischen Finden und Verlieren
Müssen sie als göttlich gelten.

All in einem, Kern und Schale,
Dieses Glück gehört dem Traum …
Tief begreifen und besitzen!
Hat dies wo im Leben Raum? …

(1893)

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Hat dies wo im Leben Raum?

Ja, hier und jetzt in diesem Moment. Wenn wir uns dessen bewusst werden, gelingt es uns, den Vollbesitz dieser Welt und dieses Lebens zu erfassen und zu begreifen. Nur im Hier und Jetzt besitzen wir überhaupt etwas, außerhalb gehört uns nichts.

Lübbenau, 20.06.2016                           Sigrun Hopfensperger

Wohin geht die Reise? Rätsel 1

So, meine Lieben! Lange genug angekündigt habe ich es ja schon auf Facebook. Einige meiner Freunde wissen ja auch bereits Bescheid und dürfen natürlich nicht mitraten. Morgen früh mache ich mich mit dem Auto auf den Weg in einen einwöchigen Urlaub. Ich habe noch nicht verraten, wohin die Reise gehen wird. Daher gebe ich hier einige kleine Hinweise. Vielleicht könnt ihr schon erraten, wohin es mich verschlagen wird. Die Hinweise sollten hilfreich sein … Und ab morgen dann werden auch Bilder folgen (und die Auflösung natürlich).

Hinweis 1: Eine räumliche Eingrenzung

Meine Reise führt mich von Osnabrück aus etwa 500 Kilometer weit. In welche Himmelsrichtung es geht, wird hier  nicht verraten, sonst wäre es zu einfach. Ich bleibe aber in Deutschland.

Hinweis 2: Landschaftliche Besonderheiten

Ich freue mich darauf, mich morgen in einer wunderschönen Auenlandschaft wiederzufinden. Eine Landschaft, in der man glaubt, dass die Zeit stehengeblieben ist. Genau das Richtige, um einmal für ein paar Tage die Seele baumeln zu lassen. Das Leben in dieser Region ist beschaulich und idyllisch. Alles hat seine Zeit und Muße und so sind die Menschen.

Hinweis 3: Sagenumwobenes

Ich denke, dieser Hinweis wird der gefährlichste von allen sein, weil ihr mit ihm leicht herausfinden könnt, wo ich morgen sein werde. Ich fahre nicht einfach irgendwo hin, wo es landschaftlich sehr schön ist. Ich fahre in das Reich des sagenumwobenen Schlangenkönigs, der – nach alter Überlieferung – dort früher geherrscht haben soll. Das Zeichen des Schlangenkönigs findet sich noch typischerweise an allen Häusern wieder, deren Giebel durch zwei sich kreuzende, gekrönte Schlangenhäupter geziert werden. Diese Giebelverzierungen sind so verwurzelt mit der Region, dass man sie eigentlich alleine daran sehr gut erkennen kann.

Hinweis 4: Sprachliches

Dieser Hinweis ist für alle Sprachbegeisterten, Linguisten und auch alle anderen interessant. In dieser Region lebt eine deutsche Minderheit, die eine andere Sprache spricht als Deutsch. Aus diesem Grunde ist es auch nicht so einfach zu bestimmen, was eigentlich Deutsch ist. Unser Hochdeutsch und alle regionalen dialektalen Einfärbungen sind natürlich der Grundstock unserer Sprache. Daneben gibt es aber auch kleine Minderheiten, die zu den deutschen Volksgruppen zählen, obwohl sie ganz anders sprechen als das uns bekannte Deutsch. Und nein, ich fahre nicht nach Bayern 😉

Hinweis 5: Kulinarisches

Jede Region hat ihre kulinarischen Spezialitäten. So auch diese. Das, wofür diese Region weltweit bekannt ist, wird vor allem von Schwangeren sehr geschätzt. Und von mir. Ich mag das auch sehr gerne …

Genug der Hinweise

So, nun genug der Hinweise! Ich freue mich auf ein paar schöne Tage und werde mich jetzt noch vorbereiten. Ich muss noch packen und dann will ich mit meinen Vierbeinern noch einen schönen Abend verbringen, weil ich die morgen eine ganze Woche nicht sehe. Ihr könnt ja raten, ob ihr dahinter kommt, wo ich hinfahre. Lösungsvorschläge bitte gerne in den Facebook-Kommentaren. Und nein, es gibt nix zu gewinnen. Habt einfach Spaß, so wie ich es auch tue. Vor Ort werde ich weiter berichten und Fotos posten und euch diese wunderschöne Region ein wenig näherbringen.

Bis dahin liebe Grüße,

Eure Sigrun

Willkommen

Seid mir herzlich willkommen auf meinem neuen Blog-Projekt. Von meinen Reisen und Ausflügen werde ich jetzt künftig an dieser Stelle ab und an berichten, Wissenswertes rund um den Ort oder die Region liefern und das Ganze häufig mit einem kleinen Ratespiel verknüpfen, damit ihr raten könnt, wo ich mich gerade befinde. Dieses statische Titelbild zeigt übrigens die Sababurg in Nordhessen, wo ich vor einigen Jahren war. Aufgenommen wurde das Foto vom angrenzenden Tierpark aus.